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Schutzdachbau Lisibach:
Mehr als ein Vierteljahrhundert gut behütet
Einem eingefleischten Camper ein Schutzdach zu beschreiben, hieße Eulen nach Athen zu tragen – jeder kennt sie, die hellgrauen oder beigefarbenen Konstruktionen, die die fahrbaren Zweit- und Wochenendwohnungen vor den Unbilden der Witterung schützen. Erfunden hat sie der Schweizer Hans Lisibach, dessen Unternehmen, die Lisibach AG in Dallenwil nahe dem Vierwaldstätter See, mehr als 25 Jahre alt ist und mittlerweile mehr als 10’000 Schutzdächer produziert hat.
Wohnwagen – das ist ein offenes Geheimnis – können im Laufe der Zeit undicht werden. Bei der heutigen Bauweise von Wohnwagen sind solche Schäden erst relativ spät erkennbar, eine Tatsache, die den gelernten Schweizer Kaufmann Hans Lisibach vor mehr als 25 Jahren nicht ruhen ließ. Lisibach machte sich Gedanken, wie dem abzuhelfen sei – die Lösung sollte nicht zu teuer, aber haltbar sein, musste optisch ansprechend und zudem einfach zu montieren sein. Zudem sollte eine solche Lösung das Wochenend- und Feriendomizil vor Hagelschäden, vor schneller Alterung und Wertverlust schützen.
Am Ende dieser Überlegungen stand das erste Lisibach-Produkt: eine Plane mit glatter Oberfläche und dadurch leicht zu reinigen, durch Querrippen auf Abstand vom Wagendach gehalten und mit Stahlseilen gegen Windeinwirkung verspannt – das erste stationäre Schutzdach. Dessen Rippen bestanden in der Ursprungsversion noch aus Holz, was sich aber auf Dauer als ungeeignet erwies. Deshalb ging man später auf eloxiertes Aluminium über.
Schweizer Qualität steht im Vordergrund
LONGLIFE, so heisst der erste Schutzdachtyp, der auch heute noch produziert wird, sollte seinem Namen alle Ehre machen. Es wurde von Anfang an Planenmaterial aus Schweizer Produktion verwendet. Diesem Lieferanten hält Lisibach bis heute die Treue. Qualität stand und steht noch heute bei Hans Lisibach im Vordergrund. “Es war zwar sehr verlockend, dünneres Material zu verwenden oder die Rippenabstände zu vergrößern oder statt Chromstahl-Seile verzinktes oder kunststoffummanteltes Material zu verwenden oder eine günstige ausländische Plane einzukaufen”, erinnert sich der Schweizer Unternehmer. Er verzichtete aber auf höhere Gewinne zugunsten der Qualität und ist heute stolz darauf, dass er auf Campingplätzen – wenn auch vereinzelt - noch 25 Jahre alte Dächer findet aus seinen ersten Produktionen, die jetzt erst ausgetauscht werden müssen. “Die Lebensdauer eines Schutzdaches”, erklärt Lisibach, “hängt natürlich entscheidend von den Umwelteinflüssen ab.” Und die haben sich in den letzten Jahren radikal verschlechtert. Außerdem sei es eine Frage der Pflegemittel, werden lösungsmittelhaltige Shampoos verwendet, nimmt das die Plane auch übel.
Großen Wert legt Lisibach bei seinen Dächern, insbesondere beim Urtyp LONGLIFE, auf die Ästhetik. Die Dächer sollen nicht “hochbeinig” wirken, trotzdem müssen die Luken nach wie vor zu öffnen sein. Deshalb sind alle Dächer von diesem Typ Einzelanfertigungen.
Die Weiterentwicklung bestand dann zunächst in verschiedenen Varianten von Vordächern, die aus dem gleichen Material gebaut wurden, entweder nur über dem Eingang oder über die ganze Wagenlänge. Alle Dächer sind als Baukastensystem ausgelegt und lassen sich bei Bedarf nachrüsten.
Lisibachs Anforderungen an die Qualität seiner Produkte kommen nicht von ungefähr. Die vergangenen Winter zeigten es mehr als deutlich: Schneehöhen von mehr als einem Meter sind in der Schweiz eher die Regel als die Ausnahme. Lisibach: “Selbst bei diesen Schneehöhen gab es bisher mit Schutzdächern keine Probleme.” Auch starke Stürme brauchen die Lisibach-Dächer nicht zu fürchten.
Der nächste Schritt war die Überdachung von bestehenden Stoff-Vorzelten, da die meisten nur für Sommergebrauch ausgelegt sind. Insbesondere in der Schweiz leiden diese Dächer beim ganzjährigen Einsatz durch hohe Schneelasten, Hagel und Sonneneinwirkung. Häufig sind diese Vorzelte ja innen vollständig eingerichtet, hier kam die Lisibach´sche Vorzelt-Überdachung sehr gelegen, mit der sich die Lebensdauer des Vorzeltes mindestens verdoppeln lässt. Mittlerweile haben sich Vorzelt-Überdachungen, die aus einem Sommer-Vorzelt ein wintertaugliches Ganzjahres-Vorzelt machen, bei Lisibach zum Verkaufsschlager entwickelt.
Als “Exot” auf deutschen Messen
Bereits relativ schnell war Lisibach gezwungen, den deutschen Markt zu erschließen, da der Schweizer Markt für einen rationellen Einkauf der Materialien einfach zu klein war. Also tingelte Lisibach mit einem eigenen Stand über die deutschen Camping- und Freizeit-Messen, wo er anfänglich als absoluter Exot angesehen wurde, wie er selber sagt. Entsprechend ernüchternd waren auch die Verkaufszahlen zu dieser Zeit. Der Bedarf war vorhanden, der Markt musste aber zunächst erst aufbereitet werden – hier sieht sich Lisibach zu Recht als Pionier einer mittlerweile großen Branche.
Nach und nach kristallisierte sich ein Bedarf nach einer günstigeren Ausführung heraus, speziell für Wohnwagen, die nicht so extremen Witterungsverhältnissen ausgesetzt sind, wie sie in der Schweiz auftreten können. So entstand im Jahr 1987 ein neues Produkt – das VanRoof, das sich vom ursprünglichen LONGLIFE durch eine günstigere Plane, einen größeren Rippenabstand und leichtere Beschläge unterscheidet.
Das Paradepferd aus dem Haus Lisibach ist das 1989 entwickelte ProtecSwiss, ein Schutzdach, das auch während der Fahrt auf dem Wohnwagen montiert bleiben kann. Besonders stolz ist Lisibach, der übrigens im Jahr 1988 für die Entwicklung eines Solar-Konzeptes für ein Einfamilienhaus in der Nähe von Luzern mit dem Schweizerischen Solar-Preis ausgezeichnet wurde, auf das Planenmaterial seines Lieferanten. “Niemand anderer in Europa ist in der Lage, eine Plane dieser Qualität und dieser Breite herzustellen.” Die Plane wurde speziell für Lisibach nach dessen Vorgaben entwickelt und besteht aus einem fünf Millimeter starken, geschlossenen PVC-Schaum, der auf einer PVC-Kaschierten Gewebeplane aufgebracht wird. Der Isolationswert dieser Plane entspricht dem einer 40 Millimeter starken Spanplatte.
Der Aufbau eines regelrechten Händlernetzes in der Bundesrepublik gestaltete sich mehr als langwierig. Erst im Jahr 1994 kam Lisibach mit der heute in Neckarsteinach ansässigen Firma Camping Freizeit Beisel zusammen, eine Zusammenarbeit, die Lisibach als in allen Belangen sehr erfolgreich bezeichnet. Die deutsche Vertretung war es denn auch, die für das fahrbare Schutzdach ProtecSwiss eine Unbedenklichkeitsbescheinigung des TÜV Süddeutschland in Mannheim erwirkte. “Dieses TÜV-Zertifikat wird”, so Lisibach, “auch von den zuständigen Schweizer Behörden anerkannt und übernommen.”
Ganz in der Tradition der Werterhaltung steht VanProtect, das jüngste Kind aus dem Haus Lisibach, ein Schutzdach für Wohnmobile. Auch hier sah Lisibach als erster den Bedarf, zumal der Wertverlust bei einem Wohnmobil durch Witterungseinflüsse höher ist als bei Wohnwagen. VanProtect wurde in Zusammenarbeit mit dem deutschen Partner Beisel entwickelt und ist mittlerweile in ganz Europa patentiert. Und wer schon einmal ein Wohnmobil von oben gesehen hat und die vielfältigen Aufbauformen kennt, kann erahnen, dass auch diese Dächer Einzelanfertigungen sein müssen.
Ans Aufhören denkt der Schweizer Tüfftler noch lange nicht, obwohl die Söhne bereits in der Firma mitarbeiten. Und die werden – wie ihr Vater – als typische Schweizer auch künftig auf Kontinuität und Seriosität setzen.
Fahrtbeschrieb LISIBACH AG:
4 km ab A2-Autobahn-Ausfahrt Stans Süd - Richtung ENGELBERG (Dorfeinfahrt DALLENWIL nicht beachten) 300 m weiter geradeaus, beim Wegweiser Luftseilbahn Niederrickenbach links – rotes Gebäude mit Sonnenkollektoren auf dem Dach.
Abstellplatz:
Dorfeinfahrt Dallenwil, dann links ca. 300 m gerade aus, danach wieder links (nicht bergwärts). Bei altem Trafohäuschen links über die alte Brücke. |
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